Pflegekräfte erzählen

Wir haben medizinische Mitarbeiter aus Regensburger Krankenhäusern gefragt, wie es ihnen geht und was sie sich wünschen. Hier das, was sie uns kurz vor Weihnachten erzählt haben:

Franziska, MTRA
Wie geht es mir?
Seit einem Jahr, also der zweiten Welle, arbeite ich wieder im Krankenhaus. Am Anfang hatte ich Angst vorm Umgang mit Corona-Patienten. Habe ich die Schutzkleidung richtig an- und ausgezogen? Was, wenn ich mich trotzdem anstecke, vielleicht sogar das Virus mit nach Hause nehme und meine Familie anstecke?
Jetzt, ein Jahr später, hat sich eine gewisse Routine eingestellt, die Abläufe verinnerlicht. Und geimpft bin ich auch schon drei Mal. Ich mache mir weniger Gedanken, habe aber das Gefühl, es hinnehmen zu müssen, was noch kommt und für die Patienten das Bestmögliche zu geben.
Mit den vielen alten Menschen aus den Seniorenheimen, die sich trotz Impfung anstecken, habe ich viel Mitgefühl. Es ist oft nicht sicher, ob sie die Infektion überstehen.

Was wünsche ich mir?
Dass das Miteinander siegt, niemand ausgegrenzt wird, ob mit oder ohne Impfung. Eine soziale Gesellschaft, die respektvoll miteinander umgeht. Und mehr Achtung und Anerkennung für die Pflegekräfte.
Manchmal denke ich auch, dass wir früher gar nicht wussten, wie gut es uns ging. Und der unbeschwerte Umgang miteinander scheint mir für immer verloren.

Schwester V., Intensivstation
Wie geht es mir?
Nach fast zwei Jahren hat sich eine gewisse Routine eingestellt. Ungefähr die Hälfte unserer momentanen Patienten sind mit Corona infiziert und sind in keinem guten Zustand. Ob sie überleben ist fraglich. Fast alle sind umgeimpft.
Zunehmend macht sich unter uns Unmut breit. Wir setzen unsere Gesundheit auf's Spiel und gefährden uns mit jedem Aufenthalt im Patientenzimmer, auch mit Schutzausrüstung. Es ist anstrengend, sich bis zu fünfzehn Mal pro Schicht umzuziehen. Mit der Ausrüstung ist es sehr schwer zu arbeiten.

Was wünsche ich mir?
Eine Impfpflicht für alle. Mehr Respekt und Ansehen unseres Berufsstandes in der Gesellschaft. Keine Ausgrenzung dafür, dass wir mit infizierten Patienten arbeiten. Ein Ende der Sparmaßnahmen in den Krankenhäusern. Eine faire, bessere Bezahlung. Vor allem aber, dass meine Familie und ich gesund bleiben und wir alle diese Pandemie gut überstehen.

Pfleger M., Notaufnahme
Wie geht es mir?
Ich habe Spätdienst. Gerade ist der vierte Coronapatient eingeliefert worden. Ein alter Herr aus dem Pflegeheim.
Trotz Impfung haben sich da viele Bewohner infiziert. Er ist dement, hat Luftnot und versteht nicht, was um ihn herum passiert.
Inzwischen ist die Versorgung zur Routine geworden, auch die FFP2-Maske, die wir den ganzen Tag tragen, bemerke ich nicht mehr. Ich hoffe für meine Patienten und für mich, dass keiner so schlecht wird, dass er auf die Intensivstation verlegt werden muss. Denn das heißt, dass es schwierig wird für den Patienten, diese Infektion zu überleben.

Was wünsche ich mir?
Wenn die Impfpflicht kommt, sollte sie für ALLE gelten, nicht nur für uns im Gesundheitswesen. Wir sind eh schon die, die mit der ganzen Situation am meisten zu kämpfen haben.
Ja, Pflege ist mein Beruf, und den mag ich. Aber unter den momentanen Bedingungen kann ich mir nicht vorstellen, immer in Vollzeit tätig zu sein.